Gesundheit entsteht nicht allein durch die Behandlung von Symptomen, sondern durch das Verständnis für den Menschen als Ganzes. Christine Gächter-Zangerl verbindet ihre langjährige Erfahrung als Physiotherapeutin mit einem ganzheitlichen Blick auf Körper, Geist und Lebensumfeld.
Dabei stehen Ursachenforschung, individuelle Begleitung und nachhaltige Lösungen im Mittelpunkt. Im Interview erklärt Christine Gächter-Zangerl, warum Aufklärung, Eigenverantwortung und ein umfassendes Verständnis des Körpers entscheidend für langfristiges Wohlbefinden sind.
Interview mit Christine Gächter-Zangerl

Sie arbeiten seit mehr als 35 Jahren als Physiotherapeutin. Wie hat sich Ihr Blick auf Gesundheit, Beschwerden und Heilungsprozesse im Laufe der Zeit verändert?
Mein Zugang zur physiotherapeutischen Behandlung hat sich mit der gesammelten Erfahrung stark verändert.
Vorab möchte ich darauf hinweisen, dass ich die Bezeichnung Patient durch das Wort Mensch ersetzen werde, da dies meine Sicht auf meine Arbeit besser widerspiegelt.
Nach der Ausbildung musste ich zu den erlernten Basiskenntnissen erst einmal Erfahrung sammeln. Es gab eben Menschen mit bestimmten Beschwerden, die ich dann genau dort behandelte, wo sie Schmerzen hatten und der Heilungsprozess verlief demnach teils langsam und unvollständig.
Ich habe dann Zusatzausbildungen und viele Fortbildungen absolviert und mache dies bis heute. Natürlich auch durch meine Erfahrungswerte, aber vor allem durch die Prinzipien der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) habe ich dann immer mehr den Blick und das Verständnis für das große Ganze bekommen.
Konkret heißt das, dass ich schon in der Anamnese andere Fragen stelle und in der Befunderhebung nach einem System vorgehe, um nicht nur die Symptome, sondern auch gleichzeitig die Ursachen zu behandeln, was zu einer schnelleren Beschwerdefreiheit bzw. -linderung führt.
Mir ist es wichtig den Menschen zu zeigen, was sie selbst für eine langfristige Besserung beitragen können und dabei hat die Aufklärung über die „richtige Haltung“ einen großen Stellenwert.
In diesen Gesprächen werden auch ihre Haltungs-Gewohnheiten ein Thema und gemeinsam versuchen wir eine alltagstaugliche, individuell-ganzheitliche Lösungen für Veränderungen zu finden.
In Ihrer Arbeit verfolgen Sie einen ganzheitlichen Ansatz. Was bedeutet „Ganzheitlichkeit“ für Sie persönlich und warum ist sie für nachhaltige Gesundheit so wichtig?
Die Bezeichnung „Ganzheitlichkeit“ wird leider häufig als kontextfreies Schlagwort verwendet.
In meiner Arbeit bedeutet sie für mich das Wahrnehmen des gesamten Menschen und, und die Befragung über seine Beschwerden, Gewohnheiten und aber auch seines gesamten Lebensumfeldes.
Wenn offensichtlich wird, dass die Behandlung mit Manuellen Methoden an ihre Grenzen stößt, d.h. dass die Schmerzen nicht besser werden oder immer wieder zurück kommen, dann kann ich auf weiter fassende Methoden zurückgreifen und gemeinsam mit meinem Patienten eventuelle emotionale oder mentale Blockaden auflösen, welche im Zusammenhang mit den erfassten Symptomen stehen.
Das geschieht immer gemeinsam und mit Körperkontakt, da ja jedes Trauma ob körperlich, emotional oder mental im Körper gespeichert ist.
Wenn die Ursache dann bearbeitet ist bzw. dem Menschen bewusst wird, was er selbst für seine Gesundheit beitragen kann und das umsetzt, so ist die Nachhaltigkeit der gemeinsamen Lösung auch langfristig wirksam.
Was zeichnet die MANNEA-Methode aus und wie ergänzt sie Ihre physiotherapeutische Arbeit?
Die von Andrea Eberhardt konzipierte MANNEA-Methode ist eine sehr sanfte Behandlung von Körperzonen, denen ein Zusammenhang zu bestimmten Organen und Hormondrüsen zugeschrieben wird. Sie beruht auf den Erkenntnissen der „Creative-Healing-Methode“ von Joseph B. Stephenson.
Wie inzwischen allgemein anerkannt, spielen Hormone bei allen Körperfunktionen eine Rolle und haben auch große Auswirkungen auf die Psyche.
Die MANNEA-Methode unterstützt den Körper, das hormonelle Gleichgewicht selbst wieder in Ordnung zu bringen.
Sie erweitert meinen ganzheitlich-physiotherapeutischen Ansatz und gibt mir die Möglichkeit insbesondere Frauen, die mit unterschiedlichsten hormonell bedingten Beschwerden zu kämpfen haben, zu helfen ihr allgemeines Wohlbefinden und Gleichgewicht wieder zu erlangen
Christine Gächter-Zangerl: Frauenbeschwerden ganzheitlich behandeln

Welche Erfahrungen machen Sie bei der Begleitung von Frauen mit Menstruationsbeschwerden, Endometriose oder hormonellen Herausforderungen besonders häufig?
Was mich immer wieder erstaunt ist, wie viele Frauen ihre Beschwerden als selbstverständlich hinnehmen. Z.B. höre ich oft im Zusammenhang mit Menstruationsbeschwerden den Satz: „Das war bei mir schon immer so.“ Manche nehmen Schmerztabletten und müssen sich schmerzbedingt sogar krankschreiben lassen.
Die meisten Frauen sind ganz erstaunt, wenn schon nach einer MANNEA-Behandlung eine deutliche Besserung spürbar ist, und nicht selten sind nach ein paar Behandlungen die Menstruationsbeschwerden kein Thema mehr.
Begleiterscheinungen wie eine Verbesserung des Hautbildes oder ein besserer Schlaf, die durch das hormonelle Ungleichgewicht gestört waren, runden das Wohlbefinden zusätzlich ab.
Sie betonen, dass körperliche Beschwerden oft auch emotionale oder psychische Hintergründe haben können. Wie fließen diese Zusammenhänge in Ihre Arbeit ein?
Ich wende Methoden an, die emotionale und mentale Ursachen aufzeigen können.
Dabei bin ich mit meinen Händen immer am Körper des Behandelten und spüre die Spannungsveränderungen, die durch die gezielte bildhafte Kommunikation in Bezugnahme zum Körper vor sich gehen.
Natürlich funktioniert das nicht bei jedem, der in die Therapie kommt und es ist auch nicht jeder für solche Behandlungen offen und bereit. Das liegt dann wiederum an mir, diese Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren und wenn notwendig an die entsprechende Fachmedizin weiter zu empfehlen.
Gibt es ein Erlebnis aus Ihrer langjährigen Tätigkeit, das Ihnen gezeigt hat, welchen Unterschied eine ganzheitliche Begleitung machen kann?
Ich erinnere mich an eine 40-jährige Frau, die immer schon massive Menstruationsbeschwerden hatte und nach nur einer einzigen MANNEA-Behandlung beschwerdefrei war. Ja, das gibt es auch und da war ich selbst erstaunt.
Und im gesamten passiert es häufig, dass durch eine ganzheitliche Behandlung auch andere Beschwerden verschwinden und erst dadurch die Zusammenhänge wahrgenommen werden. Es freut mich, wenn meine Patienten meine Praxis langfristig beschwerdefrei verlassen können.
Über Christine Gächter-Zangerl:
Meinen ersten Berührungspunkt mit Physiotherapie hatte ich in den 80er Jahren, als ich im Spitzensport (Schi Alpin) aktiv war. Im Sport wurde meine Körperwahrnehmung intensiv geschult, was mir in der Physiotherapie-Ausbildung sehr geholfen hat.
Leider werden im Spitzensport die körperlichen Grenzen aber auch bewusst überschritten und (nicht nur) der Körper schnell in Mitleidenschaft gezogen.
Gerade bei Frauen wurde damals in der Trainingsplanung nie auf den hormonellen Zyklus Rücksicht genommen und dadurch das hormonelle Gleichgewicht durcheinander gebracht – so musste auch ich mit den Folgen leben.
Umso besser kann ich heute Frauen mit hormonellen Schwankungen verstehen und begleiten.


