Ob in den Bergen, am Meer oder in der Architektur – Lisa Marie Lederer versteht es, besondere Momente mit natürlichem Licht und einem feinen Gespür für Atmosphäre einzufangen. Ihre Fotografien erzählen authentische Geschichten und schaffen eine Verbindung zwischen Mensch, Natur und Raum.
Dabei steht für sie nicht die perfekte Inszenierung im Mittelpunkt, sondern das Sichtbarmachen von Emotionen, Energie und Persönlichkeit. Im Interview spricht Lisa Marie Lederer über ihre Leidenschaft für Fotografie, Kreativität und die Kraft echter Begegnungen.
Lisa Marie Lederer im Interview

Was hat Sie dazu bewegt, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und sich auf die Bereiche Sport-, Lifestyle- und Innenarchitekturfotografie zu spezialisieren?
Ehrlich gesagt frage ich mich das manchmal selbst. Ich glaube, ich war damals einfach sehr leidenschaftlich und mutig. Der Wunsch, zu fotografieren, war größer als die Angst vor der Unsicherheit.
Meine Spezialisierungen haben sich eigentlich ganz natürlich entwickelt. Als ich mich entschieden habe, beruflich als Fotografin zu arbeiten, war ich noch als Innenarchitektin tätig. Das ist meine ursprüngliche Ausbildung und bis heute ein Bereich, der mich begeistert. Deshalb war die Innenarchitekturfotografie von Anfang an ein naheliegender Schwerpunkt.
Die Outdoor- und Bergsportfotografie entstand aus meinem Privatleben. Ich verbringe unglaublich gerne Zeit in den Bergen und in der Natur und war mit Freunden oft beim Wandern, Klettern oder auf Skitouren unterwegs. Irgendwann habe ich einfach begonnen, diese Momente zu fotografieren.
Mit der Zeit kamen dann immer mehr Menschen und Unternehmen auf mich zu, die authentische Bilder für ihre Marke oder ihre Arbeit haben wollten. So entwickelte sich die Lifestyle-Fotografie ganz von selbst.
Vor einigen Jahren kam schließlich noch die Aktfotografie dazu. Sie ist heute einer der Bereiche, die mir am meisten am Herzen liegen und in denen ich mich kreativ am stärksten entfalten kann.
Ihre Bilder wirken sehr natürlich und authentisch. Was macht für Sie gute Fotografie aus und wie gelingt es Ihnen, echte Momente einzufangen?
Für mich beginnt gute Fotografie mit Aufmerksamkeit.
Bevor ich überhaupt an meine Kamera denke, beobachte ich den Raum, das Licht oder den Menschen vor mir. Mich interessiert, welche Stimmung gerade da ist und wie ich sie sichtbar machen kann.
Ich arbeite fast ausschließlich mit natürlichem Licht. Für mich gibt es nichts Schöneres und die Atmosphäre, die dadurch entsteht. Das macht Bilder lebendig und verleiht ihnen Tiefe und Wärme.
Ob ich einen Raum, eine Landschaft oder einen Menschen fotografiere – mich interessiert immer, welche Energie entsteht und wie das Licht sie beeinflusst. Genau das macht für mich ein Bild spannend.
Sie fotografieren Menschen, Innenarchitektur und Outdoor-Abenteuer. Was reizt Sie an dieser Vielfalt und welche Gemeinsamkeiten sehen Sie zwischen diesen Bereichen?
Ich glaube, ich bin einfach ein Mensch, der Abwechslung braucht. Genau das liebe ich an meinem Beruf.
An der Innenarchitekturfotografie fasziniert mich die Präzision.
Dort arbeitet man mit klaren Linien, Perspektiven und einer gewissen Ordnung. Gleichzeitig beobachte ich immer, wie das Licht durch einen Raum fällt und welche Stimmung dadurch entsteht.
Draußen in der Natur ist alles ganz anders. Dort gibt es keine geraden Linien und keine Kontrolle, man arbeitet mit organischen Formen. Das Wetter kann sich innerhalb weniger Minuten verändern und damit auch das Licht. Man muss ständig beobachten und spontan reagieren. Gerade das finde ich unglaublich spannend.
Ich glaube, genau diese Abwechslung hält mich kreativ. Die unterschiedlichen Bereiche inspirieren sich gegenseitig und lassen mich immer wieder mit einem neuen Blick fotografieren.
Lisa Marie Lederer: Die Natur als größte Inspirationsquelle

Die Natur spielt in vielen Ihrer Arbeiten eine wichtige Rolle. Wie beeinflussen Landschaften, Licht und Umgebung Ihren kreativen Prozess?
Die Natur spielt in meiner Arbeit eine sehr große Rolle.
Für mich ist sie unsere Heimat – der Ort, auf dem wir leben und der uns jeden Tag so viel zurückgibt. Deshalb gehören Landschaft, Licht und Umgebung für mich ganz selbstverständlich zum kreativen Prozess.
Ich merke immer wieder, dass ich in der Natur viel klarer denken kann. Anfang letzten Jahres musste ich eine berufliche Entscheidung treffen und habe wochenlang darüber nachgedacht. Ich bin immer wieder dieselben Gedanken durchgegangen, aber keine Lösung hat sich richtig angefühlt.
Ein paar Tage später war ich mit Freunden auf einer Skitour. Irgendwann wird man beim Gehen ganz ruhig. Jeder läuft in seinem eigenen Tempo, man spricht kaum noch und kommt fast in einen meditativen Zustand. Genau in diesem Moment war die Antwort plötzlich ganz klar.
Solche Erfahrungen mache ich in der Natur immer wieder. Sie bringt Ruhe in meinen Kopf und schafft Raum für neue Gedanken und Kreativität. Viele meiner Ideen entstehen genau dort und nicht vor einem Bildschirm oder am Schreibtisch.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich so gerne draußen fotografiere. Die Natur verändert sich ständig. Das Licht, das Wetter und die Stimmung sind nie gleich. Genau diese Unvorhersehbarkeit macht sie für mich so spannend.
Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ihren Kund:innen scheint Ihnen besonders wichtig zu sein. Was macht für Sie eine gelungene Zusammenarbeit aus?
Für mich beginnt ein gutes Shooting lange bevor das erste Foto entsteht.
Ich möchte einen Raum schaffen, in dem Menschen sich wohlfühlen und ganz sie selbst sein können. Vor einer Kamera zu stehen, fühlt sich für viele ungewohnt an. Man zeigt sich, macht sich ein Stück weit verletzlich und gibt einer fremden Person Vertrauen.
Gerade bei meinem neuen Projekt bei dem ich Menschen nackt in der Natur fotografiere ist es mir besonders wichtig einen safe Space zu schaffen.
Ich möchte nicht einfach schöne Fotos machen.
Ich möchte Bilder schaffen, in denen Menschen sich selbst wiedererkennen und sich auch Jahre später noch gerne anschauen. Oder auch manchmal neue Seiten an ihnen selbst entdecken.
Gibt es ein Shooting oder Projekt, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist und Ihren Blick auf die Fotografie nachhaltig geprägt hat?
Ja, definitiv mein Langzeitprojekt, bei dem ich Menschen nackt in der Natur fotografiere.
Es begann vor einigen Jahren, als ich zum ersten Mal einen menschlichen Körper in einer abstrakten Landschaft fotografiert habe. Seitdem begleitet mich diese Idee und ich habe das Gefühl, dass sie mich noch viele Jahre – vielleicht sogar mein ganzes Leben – begleiten wird.
Mich fasziniert die Verbindung zwischen dem Menschen und seiner natürlichen Umgebung. Dabei geht es mir nie darum, Nacktheit in den Mittelpunkt zu stellen.
Vielmehr interessiert mich, wie selbstverständlich sich der menschliche Körper in eine Landschaft einfügen kann. Manchmal wirkt er wie ein Teil eines Felsens, eines Baumes oder eines Flussbetts. Genau dieses Zusammenspiel fasziniert mich.
Ich habe das Gefühl, dass wir Menschen die Verbindung zur Natur im Alltag oft ein Stück weit verlieren. Gleichzeitig beobachte ich, dass sich viele wieder bewusst nach ihr sehnen.
Vielleicht, weil wir draußen wieder zur Ruhe kommen und uns an etwas erinnern, das schon immer ein Teil von uns war, weil wir selbst ein Stück Natur sind. Und genau deshalb kanns ich jeder Mensch in diesen Bilder auf irgendeine Weise wiederfinden.
Genau das macht dieses Projekt und die Fotografie für mich so besonders.
Über Lisa Marie Lederer:
Lisa Marie Lederer ist Fotografin aus Tirol, Österreich und lebt derzeit in Australien. Ob in den Bergen, am Meer oder in einem architektonischen Raum – verbindet sie natürliches Licht, Energie, Natur und ehrliche Geschichten mtiteinander.


