Interviews

Mag. Milena Emrich: Sinn finden, Klarheit gewinnen, den eigenen Weg gestalten

Mag. Milena Emrich begleitet junge Menschen und Erwachsene auf ihrem Weg zu mehr Klarheit, Sinn und innerer Freiheit. Ausgehend von ihrer pädagogischen Arbeit entwickelte sich ihr Fokus hin zum Coaching, in dem nicht Leistung, sondern Persönlichkeit, Werte und Selbstwirksamkeit im Mittelpunkt stehen.

In ihrer Arbeit verbindet sie Coaching mit logotherapeutischen Ansätzen nach Viktor Frankl und unterstützt Menschen dabei, innere Blockaden zu lösen, Orientierung zurückzugewinnen und mutige Entscheidungen zu treffen. Im Interview spricht sie über ihren Weg, ihre Haltung und darüber, wie echte Veränderung von innen heraus möglich wird.

Interview mit Mag. Milena Emrich

Mag. Milena Emrich Interview

Ihr Weg von der Pädagogik zur Begleitung junger Menschen ist sehr vielseitig. Was hat Sie letztlich dazu bewegt, Coaching zu Ihrem neuen Schwerpunkt zu machen?

Mein Grundberuf ist Lehrerin – aber schon sehr früh habe ich gemerkt, dass mich weniger die reine Stoffvermittlung interessiert als die Menschen dahinter. Mich hat immer bewegt, wer meine SchülerInnen sind, was sie ausmacht und was sie brauchen, um innerlich zu wachsen.

Ich habe eine große Leidenschaft dafür, Menschen zu ermutigen, zu echten Persönlichkeiten zu werden: zu wissen, wer sie sind, was sie wollen und den Mut zu entwickeln, ihr Leben bewusst zu gestalten. Zu sehen, wie jemand aufblüht und seine eigenen Gaben entdeckt, war für mich immer das Schönste an meiner Arbeit.

Gleichzeitig wissen wir alle, wie stark Schule, Beruf und Gesellschaft von Erwartungen geprägt sind. Wir hören ständig, wer oder was wir sein sollten, funktionieren oft in vorgefertigten Bahnen und verlieren dabei leicht den Kontakt zu uns selbst.

Nur wenige trauen sich wirklich zu fragen: Wie will ich eigentlich leben? Was kann ich wirklich? Wofür brenne ich?

Mein Weg führte mich deshalb von der Schule über die Arbeit als Jugendtrainerin hin zum Coaching. Der entscheidende Impuls, diesen Weg konsequent zu gehen, war schließlich meine Ausbildung zur logotherapeutischen Beraterin – dadurch wurde mir bewusst, wie kraftvoll es ist, Menschen dabei zu begleiten, Sinn, Klarheit und ihren ganz eigenen Weg zu finden.

Sie unterstützen Menschen dabei, Klarheit zu gewinnen und neue Perspektiven zu entwickeln. Wie beschreiben Sie den Prozess, den Klient:innen mit Ihnen durchlaufen?

Menschen kommen mit ganz unterschiedlichen Anliegen zu mir – und genau deshalb ist mir ein sehr individueller Zugang wichtig. Jede Person bringt ihre eigenen Fragen, Blockaden und gleichzeitig wertvolle Ressourcen mit.

Oft beginnt unsere gemeinsame Arbeit mit einem inneren Durcheinander: Viele spüren ein großes, inneres Fragezeichen – Wie soll es weitergehen? Was ist jetzt richtig? Ich bin überfordert oder unsicher.

Zu Beginn geht es deshalb darum, Ordnung in dieses innere Chaos zu bringen. Nicht selten sehen Menschen sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Durch gezielte Fragen und achtsames Hinschauen setzen wir die einzelnen Puzzleteile zusammen. So wird nach und nach klar, worum es eigentlich wirklich geht, was gerade wichtig ist und wohin der Weg führen soll. Auf dieser Basis machen wir vorhandene Ressourcen sichtbar und entwickeln konkrete, umsetzbare Schritte.

Ein zentraler Teil meiner Arbeit ist zudem das Lösen innerer Blockaden.

Oft sind es weniger die äußeren Umstände als innere Hürden, die uns daran hindern, frei und im eigenen Element zu leben. Mithilfe logotherapeutischer Ansätze und Imaginationsarbeit entsteht so ein Weg, der nicht nur klar, sondern auch praktisch begehbar ist.

Es berührt mich jedes Mal neu zu sehen, wie mit der wachsenden Klarheit meiner Klienten auch die innere Freiheit zunimmt – und damit der Mut, wirklich etwas zu wagen.

Wie unterstützt die Verbindung von Coaching und Logotherapie neue Perspektiven und Veränderung?

Viktor Frankls Logotherapie geht davon aus, dass jeder Mensch nach Sinn strebt. Oder, wie ich es gern ausdrücke: nach Purpose. Wir alle möchten ein Leben führen, das Bedeutung hat, einen Unterschied macht und sich nicht leer oder beliebig anfühlt. Diese Sinnsuche ist eine enorme innere Antriebskraft.

Sinn entsteht nach Frankl vor allem dort, wo wir unsere Werte leben – nicht im moralischen Sinn, sondern im ganz persönlichen: Was ist mir wirklich wertvoll? Was hat in meinem Leben einen hohen Stellenwert?

Eine Sinnleere entsteht häufig dann, wenn Menschen daran gehindert sind, genau diese Werte zu verwirklichen oder den Kontakt zu ihnen verloren haben.

Deshalb ist die Arbeit mit den individuellen Werten meiner KlientInnen ein zentraler Bestandteil meiner Coachingprozesse. Oft sind diese Werte tief im Inneren verborgen oder wirken im Alltag nicht lebbar – sei es durch äußere Umstände oder innere Blockaden. Gemeinsam machen wir sie wieder sichtbar und fragen: Was davon will wirklich gelebt werden?

Dabei gehört auch dazu, Entscheidungen zu treffen. Ein klares Ja zu einem Wert bedeutet meist auch ein Nein zu etwas anderem. Dieser Prozess hat viel mit innerem „Ausmisten“ zu tun – und kann gleichzeitig befreiend und herausfordernd sein.

Gerade in der Verbindung von Coaching und Logotherapie erlebe ich immer wieder, wie neue Perspektiven entstehen: Wenn Menschen ihren Sinn und ihre Werte klarer erkennen, verändern sich Entscheidungen, Prioritäten und oft der gesamte Blick auf das eigene Leben.

Mag. Milena Emrich: Erste Schritte zurück zu Ruhe und Orientierung

Mag. Milena Emrich mecoaching.at

Welche ersten Schritte helfen Menschen, die feststecken, wieder Orientierung und Mut zu gewinnen?

Viele Menschen kommen zu mir mit einem sehr hohen inneren Stresslevel. In diesem Zustand ist es kaum möglich, klare Entscheidungen zu treffen oder neue Perspektiven zu entwickeln. Der erste wichtige Schritt ist deshalb oft, zur Ruhe zu kommen – denn Klarheit entsteht nicht im inneren Dauerlärm.

Gerade zu Beginn lege ich großen Wert auf eine stabile emotionale Basis. Meine Arbeit ist in Teilen sehr analytisch: Wir schauen von außen auf das eigene Leben, erkennen Muster und ordnen innere Themen. Dafür braucht es jedoch zunächst Sicherheit und innere Stabilität.

Um diese zu fördern, arbeite ich am Anfang gern mit Atemtechniken und Imaginationsarbeit, also mit inneren Bildern. Sie helfen, Abstand zum Gedankenkarussell zu gewinnen und wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen.

Erst auf dieser Grundlage wird es möglich, Ressourcen und Blockaden bewusst wahrzunehmen und zu unterscheiden, was gerade wirklich trägt – und was eher hindert.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist der Umgang mit Ängsten. Nicht mit dem Ziel, sie einfach loszuwerden, sondern sie einzuordnen und handhabbar zu machen. Wenn Menschen lernen, sich nicht mehr von ihren Ängsten steuern zu lassen, wächst oft ganz von selbst die innere Orientierung – und mit ihr der Mut, den nächsten Schritt zu gehen.

Gibt es ein Erlebnis oder Feedback aus Ihrer Praxis, das Ihnen besonders gezeigt hat, wie wirkungsvoll Coaching sein kann – ob bei privaten oder beruflichen Themen?

Es gibt viele Momente mit meinen KlientInnen, die mir immer wieder zeigen, wie wirkungsvoll Coaching sein kann. Besonders berührt es mich, wenn Menschen Schritte wagen, die sie vor unserer gemeinsamen Arbeit nicht für möglich gehalten hätten.

So erinnere ich mich an einen jungen Mann, der lange mit starken Bindungsängsten zu kämpfen hatte. Im Coaching wurde ihm Schritt für Schritt klar, was ihn innerlich zurückhielt – und schließlich entschied er sich, sich auf eine Beziehung einzulassen, vor der er große Angst gehabt hatte.

Heute sagt er, dass ihn genau diese Entscheidung sehr glücklich gemacht hat. Solche Rückmeldungen freuen mich natürlich sehr.

Oft erlebe ich auch echte Aha-Momente: als würde plötzlich ein inneres Licht angehen bei dem Menschen, den ich begleite. Manchmal braucht es gar nicht viel – ein Gegenüber, das spiegelt, nachfragt und Dinge in Worte fasst, die längst da sind. Das kann erstaunlich viel in Bewegung bringen.

Was mich ebenfalls immer wieder berührt, ist dieses spürbare Aufatmen bei meinen KlientInnen. Eine Klientin verabschiedete sich kürzlich an einem Montagmorgen mit den Worten: „Jetzt habe ich wieder Kraft für die Woche.“ Genau darum geht es für mich: neue innere Weite, Entlastung und Zuversicht.

Ich erlebe immer wieder, dass schon der erste Schritt – sich Unterstützung zu holen und die eigenen Themen auszusprechen – eine große Veränderung anstoßen kann.

Was wünschen Sie sich, dass Menschen aus einem Coaching-Prozess mitnehmen – vielleicht auch für ihren Alltag oder zukünftige Herausforderungen?

Ich wünsche mir, dass Menschen mit gestärkter Selbstwirksamkeit und Hoffnung aus einem Coaching-Prozess gehen- mit der inneren Haltung: Ich bin nicht Opfer meiner Umstände, sondern Gestalter meines Lebens.

Ich erlebe immer wieder, wie viel Veränderung möglich wird, wenn Menschen beginnen, ihre eigenen Muster zu hinterfragen. Dieses passive „Ich bin halt so“ ist selten wahr. Viktor Frankl bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Ich kann immer noch anders werden.“

Mein Wunsch ist, dass Menschen genau das mitnehmen: den Mut, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen – und die Zuversicht, dass Entwicklung jederzeit möglich ist.

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