Karin Pancheri hat ihren Weg zur Bowen-Therapie aus tief persönlichen Erfahrungen gefunden – getragen von der Frage, wie sanfte Körperarbeit Menschen und Tiere nachhaltig unterstützen kann. Heute verbindet sie ganzheitliche Faszienarbeit mit einem feinen Gespür für Ursachen, Selbstregulation und individuelle Prozesse.
Im Interview erzählt sie von berührenden Begegnungen, ihrer Arbeit mit Mensch und Tier und davon, warum echte Veränderung oft dort beginnt, wo der Körper wieder gehört wird.
Interview mit Karin Pancheri

Was hat Sie dazu bewogen, sich auf die Bowen-Therapie und ganzheitliche Faszienarbeit für Menschen und Tiere zu spezialisieren?
Ich habe, nein ich hatte muss ich sagen, eine tolle Haflingerstute Namens Cora. Die 25 Jahre an meiner Seite war. Zum Alter hin benötigten wir immer mehr Hilfe des Tierarztes. Bis die Schulmedizin ausgereizt war. Ich versuche es dann mit Alternativvarianten wie Akkupunktur, Lichtbehandlungen, Physiotherapien und Kräutern.
Nur leider kam dann doch die Zeit sie gehen zu lassen. Im Alter von knapp 29 Jahren musste ich die schwerste Entscheidung meines Lebens fällen und mir zerriss es das Herz!
Ich stelle mir immer wieder die Frage, was hätte ich besser machen können, wie hätte ich ihr helfen können, aber blenden wir mal die Alterserscheinungen aus, gegen das Alter kommt man nicht an. Aber irgendwas muss es doch gegeben haben, um Ihre Verspannungen durch Schonhaltungen erträglicher zu machen! Diese Fragen haben mich immer begleitet.
Weiters hatte ich immer Freunde und Bekannte um mich herum die oft von Schmerzen, Therapien und Medikamenten bis hin zu anstehende Operationen gesprochen haben, und was dies Zeit kostete. Trotz allem fanden sie keine Lösung für ihre Problematiken.
Ich dachte mir immer wieder, da muss es doch etwas geben! Etwas was auch langfristig helfen kann, etwas dass die Medizin bei Menschen wie auch bei Tieren unterstützen kann, sodass weniger Medikamente, Termine, OPs und Therapien gebraucht werden.
Ich stellte Recherchen an und wurde von einer Freundin auf die originale Bowen Technik kurz BowTech aus Australien aufmerksam gemacht. Dies Sanfte Technik machte mich anfangs skeptisch.
Denn wie sollte so etwas (harmloses) dem Körper, egal ob Mensch oder Tier, helfen wieder schmerzfrei zu werden und Bewegungsfreude zu erlangen? Ich hielt es für Blödsinn. Wieder eine Geldmacherei. Aber es ließ mich nicht los.
Ich meldete mich für einen Kurs für Pferde an, um mir selbst ein Bild zu machen. Im Kurs dauerte es ca. 2 Tage, bis ich mich für die Technik öffnete und mein Herz daran verlor.
Grund, am 2. Tag vom Kurs kam eine Dame mit einem sichtlich schwerverletzten Pferd zu uns und fragte, ob wir das Pferd gerne zum Üben haben möchten. Es ist in der Stallgasse ausgerutscht und konnte nur noch mit dem Traktor wieder auf die Beine gestellt werden. Es war bereits vom Tierarzt versorgt und stand unter sehr starken Schmerzmitteln.
Zuerst wollte die Trainerin das Pferd nicht mit aufnehmen aber als ich dann intervenierte und gesagt habe, „wenn die Technik wirklich das verspricht was uns gelehrt wird, dann sollten wir dem Pferd eine Anwendung geben umzusehen, was die Technik wirklich kann!“.
Die Trainerin sah mich an, und fragte mich, ob ich das Pferd in ihrer Gegenwart selbstständig machen möchte. Ich war erst 2 Tage im Kurs, aber das Pferd tat mir so leid! Ich glaubte an diesem Punkt noch nicht an die Technik.
Ich bin ein Mensch, ich muss erst etwas verstehen, bevor ich es mit Herz ausüben kann. Wichtig dabei ist mir der medizinische Hintergrund. Aber wenn die Technik diesem Pferd helfen kann, dann muss sie wirklich eine tolle Sache sein.
Ich ging zum Pferd, es sah mich mit einem leeren Blick und gesenkten Kopf an, und ich dachte mir, das kann nichts werden! Aber ich begann mit meinen Griffen und Pausen und konnte schon nach kurzer Zeit eine Veränderung wahrnehmen. Die Haltung wurde entspannter, es kam wieder etwas Leben in das Pferd. Es freute sich, wenn ich zum nächsten Griff ansetzte und entspannte immer mehr in den Pausen.
Nach dem ich fertig war, ließ ich das Pferd in der Box in Ruhe. Ging zu meiner Gruppe und wir besprachen unsere Übungspferde. Nach ca. einer ¾ Stunde bin ich noch einmal zu meinem Übungspferd gegangen. Ich war… hin und weg! Er stand wieder besser da, zufriedener, die Augen strahlten wieder etwas Leben aus.
Es war, als würde er zu mir Danke sagen. Das war der Punkt, an dem ich beschloss, diese Technik mit voller Begeisterung zu erlernen und nach außen zu tragen.
Warum ich dann zum Menschen kam? Naja, geplant war es nicht aber eines der Voraussetzungen für die Pferdeausbildung war, mindestens 2 Module vom Menschen zu lernen. Denn meistens ist der Mensch mit seinen Problemen zu 85% der Grund, warum es dem Pferd nicht gut geht. Denn beim Reiten muss das Pferd nicht nur seine Probleme aushalten sondern auch die des Reiters ausgleichen.
Also begann ich mit der Menschen Ausbildung. Wir mussten nach dem Kurs immer Übungsstunden nachweisen, um den nächsten Kurs zu machen und dabei durfte ich an einer Freundin arbeiten, die einen doppelten Bandscheibenvorfall im Lendenbereich hatte und kurz vor der OP stand. Sie meinte, „jaja kannst du gerne mit mir arbeiten. Wird eh nichts mehr helfen.“
Aber schon nach der 2. Anwendung erzählte sie mir, dass ihr Körper sich neu einrichtet, dass sie nicht mehr so stehen oder sitzen kann, wie sie es gewohnt was und sie mehr Durst nach Wasser entwickelt hat. Wir machten weiter, nach der nächsten Anwendung war sie so gut wie schmerzfrei und freute sich schon auf die 4. Anwendung.
Immer in einem Zeitabstand von einer Woche Abstand. Nur bei der 4. Anwendung war sie enttäuscht. Sie merkte nichts mehr, es veränderte sich nichts mehr. Sie war traurig und hatte Angst doch operieren gehen zu müssen. Nach der Anwendung ließ ich sie von der Liege runter und bat sie, sich anzuziehen.
Ich war geschockt!!! Und frage sie ob wirklich alles ok sei. Sie antwortete mir nur mit, „ich bin endtäuscht. Ich spür nichts. Es hilft wohl nichts mehr.“
Ich konnte meinen Augen nicht trauen, und fragte, ob sie wüsste, was sie gerade machte. Sie darauf, „ja, ich binde mir die Schuhe.“ Dann machte es klick bei ihr und sie staunte! Sie konnte sich bis zu dem Zeitpunkt die Schuhe seit über einem Jahr nicht mehr im gebückten Zustand anziehen. WAU!
Das war mein WAU-Moment, so dass ich mich entschloss auch beim Menschen das Diplom zu machen. Die Technik, so unscheinbar wie sie ist, kann helfen! Helfen, die Medizin, die Therapeuten zu unterstützen mehr Zeit für ihre Patienten zu haben und das Beste, sie kann dem betroffenen Menschen oder dem Tier helfen wieder schmerzfrei sein Leben zu genießen.
Das ist der Grund warum ich mache was ich mache.
Ich bin mit Herz und Leidenschaft bei jeden meiner Klienten mit dabei. Ich stupse den Körper an und er richtet sich selbst. Eine wunderbare Sache.
Wie würden Sie Bowen-Therapie jemandem erklären, der diese Form der Körperarbeit noch nicht kennt – und worin unterscheidet sie sich von klassischen Massagen oder anderen Anwendungen?
Zuerst sage ich immer ich bin Faszien Praktikerin. Bereits hier fangen an die Menschen an die schmerzhafte Faszienrolle zu denken und bekommen eine leichte Abneigung zu mir zu kommen.
Aber wenn ich ihnen dann erkläre, dass ich mit sanften Griffen und gezielten Pausen das Lymphsystem stärke und die Durchblutung fördere somit die Körperlichen Selbstheilungskräfte aktiviere, werden sie neugierig.
Der Körper ist der Beste Mediziner. Er weiß, wo es hackt, und versucht meistens das Problem selbst in den Griff zu bekommen. Nur leider entstehen immer wieder Blockaden, die der Körper nicht mehr selbst wegbekommt und dabei helfe ich ihm.
Vielleicht sollte ich mich als Ursachenforscher vorstellen. *lach* 😊
Der Unterschied zur Massage oder anderen Anwendungen liegt darin, dass ich dem Körper die Zeit gebe zu reagieren. Ich setzte Impulse und warte ab was passiert. Denn meist liegt die Ursache ganz wo anders als gerade dort wo jetzt der Schmerz oder die Blockade sitzt.
*In der heutigen Zeit kaum vorstellbar sich einmal Zeit zu nehmen. Wir warten sehr lange bis wir zum Arzt oder Therapeuten gehen. Am besten wenn es gar nicht mehr geht, aber dann erhoffen wir uns, dass wir ganz schnell wieder schmerzfrei und fit sind. Wie soll das funktionieren? *
Mit BowTech unterstütze ich die Zellen im Körper sich ausreichend zu versorgen, das Nervensystem zu regulieren und die Muskulatur sich wieder zu entspannen.
Ich persönlich sehen den Unterschied zu den anderen Anwendungen darin, dass ich die Vorarbeit leisten kann, den Körper wieder geschmeidig zu machen. In „bereit zu machen“ für weitere Therapieformen oder Aufbau. Somit kann eine darauffolgende Therapie schnellere und intensivere Erfolge erzielen. Wenn noch notwendig.
Zum Beispiel für dem Muskelaufbau, Chiropraktik, Osteopathie oder weitere Therapieformen.
Das Gewebe ist wieder bereit zu arbeiten.
Sie begleiten sowohl Menschen als auch Tiere. Was unterscheidet die Arbeit mit Tieren von der mit Menschen – und was ist dabei überraschend ähnlich?
Der größte Unterschied ist, dass Menschen reden können und Tier nicht. Würde man sagen, Ich wiederum habe in meiner Arbeit gelernt, dass die Tiere, wenn sie mir vertrauen, mir genau sagen können, wo das Problem liegt. Wobei beim Menschen es meistens so ist, dass er mir nur eine Momentaufnahme erzählen kann.
Das ist ganz normal. Wir gehen zum Praktiker und erhoffen Linderung für das Problem was gerade akut ist. Also kann man dem Menschen keinen Vorwurf machen. Es erschwert aber die Arbeit, um die Ursache zu finden. Meist können Rückenschmerzen auf eine ehemalige Zahnspange, eine Beckenfehlstellung von einem beleidigten Knie, oder Migräne von einem schiefen Becken kommen.
Ich verlange nicht von meinen Klienten ihre Lebensgeschichte aufzulisten. Während der Anwendung rede ich mit meinem Klienten, um den passenden Ansatz zu finden ihm zu helfen. Ich bin mit meiner Technik sehr flexibel und kann daher Themen während der Anwendung aufgreifen, die vorher kein Thema waren.
Die überraschendste Ähnlichkeit zwischen Menschen und Tieren? Ihre Skepsis.
Ist ja klar. Der erste Besuch. Man weiß nicht genau was passiert. Da kommt einer und macht nur 2-3 kleine sanfte Griffe, und entfernt sich wieder. Was soll das? Kommt da noch etwas? Und dann werden wieder 1-2 Griffe gemacht und schon wieder ist er weg.
Aber auf einmal fängt man an etwas zu spüren. Den Druckpunkt vom letzten Griff, wärme, ein leichtes Ziehen, oder etwas anderes. Jeder reagiert anders. Was gut ist, denn wir sind einzigartig und das ist gut so!
Aber das schöne ist, beim Folgetermin, wenn ich wieder komme oder der Klient zu mir kommt, dann freuen sie sich bereits auf mich. Auf meine Technik auf Endspannung und Leichtigkeit.
Jede Anwendung, ob beim Menschen, Pferd oder Hund lässt mich immer wieder schmunzeln und zeigt mir, was das nur für eine tolle Technik ist.
Karin Pancheri: Wenn Verspannungen frühere Ursachen haben

Mit welchen Beschwerden oder Themen kommen Menschen und Tiere besonders häufig zu Ihnen?
Verspannungen.
Das ist das erste an was man denkt wenn man Faszienarbeit hört.
Das ist beim Menschen wie bei den Tieren dasselbe. Aber woher kommen Verspannungen? Meistens entsteht das Problem, der Schmerz, viel früher. Eine dumpfe Verletzung, zu wenig trinken, ein Splitter im Fuß? Und schon ist die Faszie „verklebt“ schlecht versorgt.
Der Körper reagiert schnell und versucht die Thematik mit einer leichten Gewichtsverlagerung (Schonhaltung) auszugleichen. Das klappt für den Anfang. Der Körper hat Zeit die Ursache zu beheben. Nur leider bleiben wir ab und zu in der Schonhaltung und es geht los.
Erst ein leichtes Ziehen, dann immer wieder mal ein Zwicken, bis dann ein leichter bis starker Schmerz entsteht. AUWA. „Ich sollte mal etwas tun.“
Bei den Tieren ist es noch schlimmer, denn sie müssen ja überleben! (Urinstinkt) Heißt, sie dürfen keine Schwäche zeigen, keinen Schmerz. Denn sonst sind sie ein gefundenes Fressen. Somit sehen wir meistens erst das Problem (den Schmerz) wenn es schon so weh tut, dass sie es nicht mehr verbergen können.
Ich kann nur sagen, handle früher, sorge vor.
2 Anwendungen im Abstand von 7-10 Tagen alle 4-6 Monate können unterstützen, dass es nie so weit kommen muss!
Weitere Themen sind Kopfschmerzen, Schmerzen im Allgemeinen. Wenn sie das Gefühl haben, dass keine Therapie ihnen mehr helfen kann.
Was passiert aus Ihrer Erfahrung im Körper während einer Bowen-Behandlung, insbesondere in Bezug auf Nervensystem und Selbstregulation?
Aus Sicht des Klienten. Spannendes aber auch ab und zu gar nichts. 😊
Dies lässt sich nicht pauschal sagen denn, es kommt immer wieder darauf an, wie gut der Mensch oder das Tier sich selbst spüren kann. Traumas, Unfälle oder wie man aufgewachsen ist können beeinträchtigen, wie man sich selbst spürt, bzw. wahrnimmt.
Die Anwendung selbst startet mit einem „reset Knopf“. Das Nervensystem wird heruntergefahren und neu gestartet. „Die Gefahr ist vorbei.“ „Es ist alles wieder gut.“ Wird dem Körper dadurch vermittelt.
Durch weiter Griffe und Pausen wir das Lymphsystem und die Durchblutung stimuliert das dazu führt, dass der Körper seine Selbstheilungskräfte wieder aktivieren kann. Er fängt an seine „Baustellen“ selbst zu reparieren. Dies wirkt auch nach der Anwendung noch ca. 4 Tage nach. Man könnte sagen, der Körper hat wieder neuen Schwung erlangt und will wieder durchstarten.
Bezüglich Nervensystems:
Ein kleines Beispiel: Wenn man an seinem Arm eine Stelle längere Zeit mit einem sanften Druck streichelt, immer an derselben Stelle in derselben Geschwindigkeit und Druck, wir aus dem anfangs sanften Streicheln und dem angenehmen Gefühl schnell mal etwas Unangenehmes.
Es fühlt sich an, als würde es brennen, stechen. Man will, dass es aufhört! Das sagt dir dein Nervensystem. Es ist überreizt. Das sanfte und entspannende Streicheln wir schnell zu einem Schmerzreiz weil die Nerven viel zu viel Informationen auf einmal bekommen, und den Kopf sagt dir, „STOPP! Lass das. AUWA!“ und du versuchst dich zu entziehen.
So zu sagen, „Der Topf ist übergegangen, die Festplatte ist verschmort. Mach was du willst, ich nehme nichts mehr auf!“
Gibt es eine Behandlung oder Rückmeldung, die Ihnen besonders gezeigt hat, wie nachhaltig Bowen-Therapie wirken kann?
Immer wieder. Einschlägig waren für mich die Erfahrungen, die mich bewogen haben, diese Technik zu erlernen und weiter zu tragen. Aber auch im Alltag. Klienten, die ich vor 6 Monaten oder einem Jahr das letzte Mal bei mir hatte, kommen jetzt zur Vorsorge bzw. mit kleinen Wehwehchen. Sie genießen die Anwendung, und gönnen sich diese, um weiter ihre Bewegungsfreude zu erhalten.
Andere berichten mir, dass sie bereits Jahre lang unter Schmerzen litten und keinen ihnen wirklich helfen konnte. Aber seit sie bei mir waren merken sie eine erhebliche Änderung. Es geht ihnen wieder gut.
Auch bei den Tieren darf ich mich immer wieder über Erfolge freuen.
Ob jung oder Alt, ob Sportler oder Pensionist. Es geht ihnen besser. Sie sind wieder beweglicher und schmerzfreier.
Ich arbeite sehr gerne mit Tierärzten zusammen, denn sie sind die Ärzte, ich fungiere „nur“ als Unterstützung. Die Ärzte, die mich kennen, empfehlen mich auch sehr gerne weiter weil sie wissen, wie gut die Technik ihren Patienten tut.
Ich muss gerade lachen, rückblickend habe ich diese Technik erlernt, welche nun genau diesen hilft, die mich dazu bewogen haben zu regergieren, wie ich helfen kann.


