Interviews

Sophie Barrezeele: Räume mit Persönlichkeit und Konzept gestalten

Räume können weit mehr sein als funktionale Orte – sie beeinflussen unser Wohlbefinden, wecken Emotionen und erzählen Geschichten. Sophie Barrezeele, Gründerin von NOOK Interior Projects, verbindet Interior Design, Home Staging und durchdachte Raumkonzepte zu individuellen Lösungen für Wohn- und Geschäftsräume.

Dabei stehen nicht Trends, sondern die Menschen und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt. Im Interview spricht Sophie Barrezeele darüber, wie Gestaltung, Funktion und Atmosphäre Räume in echte Wohlfühlorte verwandeln.

Interview mit Sophie Barrezeele

Sophie Barrezeele Interview

Fotocredit: Florian Lechner

Was hat Sie dazu bewegt, NOOK Interior Projects zu gründen, und welche Philosophie verfolgen Sie bei der Gestaltung von Wohn- und Geschäftsräumen?

Mich hat immer begeistert, wie stark Räume auf uns Menschen wirken. Dieses Thema habe ich stetig weiterentwickelt: wie Farben und Materialien Emotionen vermitteln.

Ich bin gebürtige Belgierin und lebe seit über 20 Jahren in Tirol. Studiert habe ich Visual Merchandising mit Schwerpunkt Verkauf und Verkaufsanalyse und war viele Jahre Store Managerin.

2018 habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und NOOK Interior Projects gegründet, mit Sitz in Innsbruck. Der Sieg als beste Interior Designerin Österreichs 2019 in der TV-Show „Design Dream“ war eine schöne Bestätigung meiner Kreativität, Vielfältigkeit und meines Gespürs für Raumdimensionen und Stauraumlösungen – in einem Format, in dem alles unter Zeitdruck umgesetzt werden musste, ohne das Ziel aus dem Auge zu verlieren.

Meine Philosophie steckt schon im Namen: „Nook“ ist das englische Wort für Nische – und jede Nische soll sagen: Fühl dich zuhause.

Wenn ich einen Raum betrete, schaltet sich sofort mein Raumscanner ein – Proportionen, Licht, Materialien – und ich sehe Bilder vor mir, wie er zum Leben erwacht.

Ob Wohnraum oder Geschäftsfläche: Ich gestalte nicht für Kataloge, sondern für Menschen. Ein Raum funktioniert dann, wenn er die Menschen widerspiegelt, die darin wohnen oder arbeiten sollen – und genau das spürt man beim Betreten.

Sie begleiten sowohl Interior-Design-Projekte als auch Home-Staging-Konzepte. Welche Vorteile bietet dieser ganzheitliche Ansatz für Ihre Kund:innen?

Meine Kund:innen haben einen Ansprechpartner und ein durchgängiges Konzept – vom ersten Raumkonzept bis zur letzten Dekoration.

Interior Design und Home Staging sind dabei zwei Seiten derselben Medaille: Beim Interior Design gestalte ich Räume für Menschen, die bleiben – sehr persönlich und maßgeschneidert.

Beim Home Staging inszeniere ich Räume für Menschen, die ankommen wollen – bewusst neutral gehalten, um möglichst viele potenzielle Käufer:innen emotional anzusprechen. Wer beides beherrscht, denkt von Anfang an in beide Richtungen: Was macht diesen Raum attraktiv und wohnlich – und was macht ihn schneller verkaufbar?

Dazu kommt ein eingespieltes Netzwerk aus Innenarchitektur, Raumausstattung, Handwerksbetrieben, Planungspartnern und Fotograf:innen – gebündelt in meinem Office im Interior-Kollektiv Forma in der Innsbrucker Leopoldstraße.

Dort lässt sich alles an einem Ort bemustern, planen und entscheiden: Materialien, Stoffe, Farben, Möbel. Statt vieler einzelner Termine gibt es einen Ort, an dem alles definiert wird – so entsteht ein Projekt aus einem Guss.

Home Staging gewinnt beim Immobilienverkauf zunehmend an Bedeutung. Warum kann die professionelle Inszenierung einer Immobilie den entscheidenden Unterschied machen?

Weil Immobilien über Emotionen verkauft werden – und die erste Besichtigung heute online stattfindet. Wer durch ein Immobilienportal schaut, entscheidet in Sekunden, ob er weiterscrollt oder anklickt.

Professionell inszenierte und fotografierte Räume erhöhen die Besichtigungsanfragen um bis zu 80 Prozent. Vor Ort fällt die Kaufentscheidung dann oft in den ersten drei Minuten – umso wichtiger, dass die Wohnung bei der Besichtigung genau das Gefühl einlöst, das online geweckt wurde.

Genau hier zeigt sich ein aktuelles Thema besonders deutlich: Viele Bauträger und Makler:innen arbeiten heute mit KI und digitaler Visualisierung – stark und notwendig, um ein Projekt auf den Markt zu bringen.

Die entscheidende Frage bleibt aber: Was passiert, wenn Käufer:innen den Raum tatsächlich betreten? Ohne Home Staging stehen sie nach dem perfekten Rendering in einer leeren Wohnung, die kalt und kleiner wirkt, als sie ist – und die Vorstellungsarbeit beginnt wieder von vorne.

Home Staging löst das Versprechen der Visualisierung ein: Die Emotionen aus dem Verkaufs-Exposé werden bei der Besichtigung real spürbar.

Deshalb empfehle ich Maklern und Bauträgern, digitale Visualisierung und Home Staging von Anfang an gemeinsam zu denken: Wird das Staging-Konzept vorab definiert, lässt sich die Visualisierung genau darauf abstimmen – und Käufer:innen finden beim Betreten exakt das Bild wieder, das sie online gesehen haben.

Die Investition liegt zwischen einem und zwei Prozent des Verkaufspreises und kann vorab gut kalkuliert werden – Kaufentscheidungen fallen schneller, und große Preisverhandlungen bleiben aus, weil der Raum emotional klar vorbereitet ist.

Sophie Barrezeele: Potenziale erkennen, Räume neu denken

Sophie Barrezeele nook interior projects

Fotocredit: Florian Lechner

Neben der Einrichtung begleiten Sie auch Renovierungen und Modernisierungen. Worauf kommt es an, um das Potenzial einer Immobilie optimal auszuschöpfen?

Am Anfang steht nicht die Farbpalette, sondern eine ehrliche Analyse: Was kann dieser Grundriss? Wo kommt das Licht her? Welche Funktion braucht welcher Raum – und für welche Zielgruppe?

Das Potenzial einer Immobilie liegt selten in der teuersten Sanierung, sondern in gezielten Eingriffen an der richtigen Stelle.

Manchmal genügen kleine Verschönerungsarbeiten, ein Tausch des Bodenbelags oder eine optimierte Beleuchtung. Und manchmal lohnt es sich, einen Grundriss komplett zu überarbeiten – denn verschenkte Quadratmeter sind bares Geld.

Ein Punkt, der dabei oft übersehen wird, ist der Stauraum. Räume werden schön eingeteilt – aber sobald Menschen tatsächlich einziehen, kommt die Frage: Wohin mit allem?

Deshalb plane ich Stauraumlösungen von Anfang an mit. Ich begleite Renovierungen und Modernisierungen von der Planung über die Koordination der Handwerksbetriebe bis zum finalen Styling – so fließt das Budget genau dorthin, wo es Wirkung erzeugt: in Wert, Funktion und Atmosphäre.

Farben, Materialien und Raumgestaltung beeinflussen unser Wohlbefinden. Welche Elemente sind für Sie entscheidend, damit ein Raum ein echtes Zuhause wird?

Ein Zuhause beginnt für mich nicht bei der Einrichtung, sondern bei dem Gefühl, das ein Raum auslöst.

Drei Dinge entscheiden darüber: Licht, Materialien und Proportionen. Licht bestimmt, wie wir einen Raum empfinden, noch bevor wir ein einziges Möbelstück wahrnehmen. Natürliche Materialien wie Stein und Holz bringen Ruhe und Wärme in den Raum – ich verwende sie besonders gerne, denn sie gehören zu unserer Welt.

Und stimmige Proportionen sorgen dafür, dass sich ein Raum „richtig“ anfühlt, ohne dass man benennen kann, warum. Farben sind sehr persönlich – und ich freue mich immer wieder über Projekte mit spannenden Farbkompositionen. Genau das macht meine Arbeit lebendig: in den verschiedensten Stilen und Farbwelten zu gestalten.

Das Entscheidende ist aber etwas anderes: Ein Zuhause entsteht, wenn ein Raum die Geschichte der Menschen erzählt, die darin leben. Deshalb höre ich zu, bevor ich gestalte. Perfekt eingerichtete Räume gibt es viele – berührend werden sie erst, wenn sie persönlich sind.

Gibt es ein Projekt oder eine Erfolgsgeschichte, die Ihnen gezeigt hat, welchen Unterschied durchdachtes Interior Design und Home Staging machen können?

Ein Mikroapartment in der Innsbrucker Gumpstraße: 34 Quadratmeter, aufgeteilt in ein getrenntes Bad, eine kleine Küche und ein separates Wohnzimmer – jeder Quadratmeter verschenkt. Die Wohnung wirkte eng statt einladend und war schwer verkäuflich. Genau hier haben Interior Design und Home Staging perfekt zusammengespielt.

Wir haben den Grundriss komplett neu gedacht: Aus drei kleinen Bereichen wurde ein offener, großzügiger Wohnbereich plus ein modernes Wellness-Bad mit Schlafbereich.

Wichtig war, viel Licht zu schaffen und mit dem Wellness-Bad ein Stück Hotelflair in den kleinen Raum zu bringen – mit maßgeschneiderten Einbaulösungen, als wäre die Wohnung immer so geplant gewesen.

Das Home Staging hat anschließend den entscheidenden Unterschied gemacht: Auf kleinstem Raum wurde das volle Potenzial sichtbar – jede Funktion, jede Möglichkeit, jedes Gefühl von Weite. Zwei Wochen nach dem Umbau war die Wohnung verkauft. Zum Wunschpreis.

Dieses Projekt zeigt, worum es im Kern geht: Es braucht nicht die große Fläche, sondern den richtigen Blick auf den Raum – und genau diese Verwandlung treibt mich jeden Tag an.

Über Sophie Barrezeele:

Sophie Barrezeele ist Interior Designerin und Home Stagerin und gründete 2018 NOOK Interior Projects in Innsbruck.

Die gebürtige Belgierin – Beste Interior Designerin Österreichs 2019 und Siegerin der TV-Show „Design Dream“ – begleitet Wohn- und Geschäftsräume von der Idee bis zur Umsetzung und inszeniert Immobilien für den erfolgreichen Verkauf.

Ihr Office liegt im Interior-Kollektiv Forma in der Leopoldstraße 31 in Innsbruck.

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