Interviews

Hannah Stöger: Ganzheitliche Begleitung zwischen System, Körper und innerer Stabilität

Mit einem fein abgestimmten, systemischen und traumasensiblen Ansatz begleitet Hannah Stöger Menschen in herausfordernden Lebensphasen. Dabei verbindet sie psychosoziale Beratung mit Körperarbeit und einem tiefen Verständnis für individuelle Lebensgeschichten.

Im Interview spricht sie darüber, warum nachhaltige Veränderung nicht nur im Kopf, sondern vor allem im Zusammenspiel von Körper, Emotion und Umfeld entsteht und wie es gelingt, wieder mehr Stabilität, Orientierung und innere Ruhe zu finden.

Interview mit Hannah Stöger

Hannah Stöger Interview

Was hat Sie dazu bewegt, sich in diesem Bereich selbstständig zu machen und Menschen gerade mit einem systemischen und traumasensiblen Ansatz zu begleiten?

Als psychosoziale Beraterin, Supervisorin, Soziologin und Elementarpädagogin vereine ich fachlich unterschiedliche, aber sehr nahestehende Fachrichtungen miteinander.

Vor allem wurde mir im Rahmen meiner unterschiedlichen Ausbildungen klar, dass ein Individuum immer nur im und mit seiner Umwelt lebt und betrachtet werden kann.

Ein Mensch kann nicht isoliert von dem System, in dem er lebt, von all seinen Erfahrungen, Erlebnissen und seiner gesamten Biografie, betrachtet werden. Mit dieser systemischen und traumasensiblen Haltung arbeite ich in all meinen Tätigkeiten.

Mich selbstständig zu machen war nach meinen Ausbildungen eine ganz klare Entscheidung. Ich habe gar nicht darüber nachgedacht, es nicht zu tun. Und auch, wenn eine Selbstständigkeit Herausforderungen mit sich bringt, möchte ich es nicht mehr eintauschen und könnte es mir anders nur noch schwer vorstellen.

Unter Ihren Angeboten finden sich psychosoziale Beratung, Unterstützung für Pädagog:innen sowie stressregulierende Angebote für Eltern. Welche dieser Bereiche liegen Ihnen besonders am Herzen – und warum?

Natürlich liegen mir alle Bereiche sehr am Herzen, ansonsten hätte ich mich nicht darauf spezialisiert.

Mein größtes Herzensthema und auch meine größte Mission ist jedoch die Unterstützung von PädagogInnen.

Sie sind eine sehr belastete Berufsgruppe, die elementare Arbeit leistet, die selten gesehen und kaum geachtet wird. Die Entwicklung eines Menschen in den ersten Lebensjahren ist die wichtigste des gesamten Lebens. So spielen die Bildungsinstitutionen in diesen Jahren eine entscheidende Rolle für die Entwicklung, Begleitung und Bildung der Kinder.

Gemeinsam mit Eltern legen Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen den Grundstein für die Zukunft eines jeden Kindes. Damit diese Begleitung in den elementaren Bildungseinrichtungen möglichst gut gelingt, schlägt mein Herz dafür, dort zu unterstützen.

Denn ich bin überzeugt: Um gut für Kinder da zu sein, um sie gut begleiten zu können, ist es notwendig, gut für sich selbst da zu sein. So unterstütze ich PädagogInnen (und auch Eltern) im Rahmen von Biografiearbeit, Selbstreflexion, Stressmanagement und Supervision.

Sie arbeiten unter anderem körperorientiert und mit Nervensystemregulation. Wie erklären Sie Klient:innen, warum der Körper für Veränderungsprozesse so entscheidend ist?

Das hat sehr viele Gründe und je nach Situation und KlientIn erläutere ich es nach Bedarf und Thema im Kontext der Psychoedukation und meinen Seminaren. Hier erläutere ich es nun grundsätzlich. Zu Beginn ist es so, dass alles, was wir erleben, Stress, Trauma und Gefühle im Körper stattfindet.

Zusätzlich ist es so, dass wir in einer Gesellschaft leben, wo der Verstand, das Denken zentral ist und der Kontakt zum eigenen Körper, den eigenen Gefühlen ist und wurde aus unterschiedlichen Gründen sehr häufig unterbrochen oder ist schwer möglich. Dies hat in vielen Fällen gute Gründe, die in der Beratung entscheidende Elemente spielen.

Auch wenn das nun sehr banal klingen mag ist es für psychosoziale Veränderungsprozesse sehr entscheidend:

Gefühle sind zum fühlen da. Und dafür braucht es den gesamten Körper.

Und nicht zuletzt ist unser Nervensystem im Körper. Somit zum letzten Argument. (Unter anderem) in unserem Nervensystem finden Stress und Entspannung statt und das Nervensystem ist mit allen anderen dem Körper-innewohnenden-Systemen verbunden.

Körperorientierte Methoden ermöglichen es uns, den Zustand unseres Nervensystems zu beeinflussen. Das bedeutet: Wenn wir mit unserem Körper und dem Nervensystem arbeiten, kann es einerseits gelingen, prägende Erlebnisse, Stress im Hier und Jetzt, Entspannung, Erschöpfung, Überforderung, uvm. zu regulieren und integrieren.

Und andererseits können erst durch das Miteinbeziehen des gesamten Körpersystems nachhaltige Veränderungsprozesse im psychosozialen (Er-)Leben gelingen. Denn das Gewinnen von Erkenntnissen und Erklärungen auf Verstandesebene reicht nicht aus, wenn nachhaltig anhaltende Lösungen für Krisen oder Probleme erreicht werden sollen.

Hannah Stöger: Schritt für Schritt zurück zu mehr Balance

Hannah Stöger dipl. psychosoziale Beraterin

Viele Menschen suchen Sie auf, weil sie sich überfordert, blockiert oder innerlich erschöpft fühlen. Wie begleiten Sie sie dabei, wieder Stabilität, Orientierung und innere Ruhe zu finden?

Hätte ich eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage, könnte ich einen kurzen Ratgeber veröffentlichen und meine Arbeit wäre getan. So ist es aber nicht, denn in der Arbeit mit Menschen ist es unerlässlich, auf jedes Individuum und dessen Individualität an Problemen, Situation und Biografie einzugehen.

Somit ist meine Antwort:

In erster Linie begegne ich jedem Menschen in seiner Individualität mit einem systemischen Blick und schaffe einen sicheren Raum.

Auf Basis der Ziele meiner KlientInnen ergeben sich unterschiedliche methodische Vorgehen und Interventionen um Schritt für Schritt das Ziel zu erreichen.

Vor allem wenn es um Stress, Überforderung und ähnliches geht ist es wichtig, zu entschleunigen. Je nach Akutsituation gibt es Übungen aus der Atem- und Körperarbeit, die unterstützen können, die aber keine langfristige Lösung sind.

Jedoch gebe ich meinen KlientInnen Übungen an die Hand, die sie in ihrem Alltag anwenden können. Grundsätzlich schöpfe ich aus einem großen Repertoire an Interventionen, mit denen ich Menschen in ihrer Individualität begleite.

Wie unterstützen Sie Menschen dabei, hinderliche Muster zu erkennen und neue Handlungsspielräume zu entwickeln?

Auch hierfür gibt es kein Rezept, das jeder anwenden kann. Es ist für mich unumgänglich, sensibel auf die Menschen einzugehen, um zu erkennen, was gerade benötigt wird um Veränderung zu ermöglichen.

Begriffe die mich in dieser Arbeit begleiten: Entschleunigung, Perspektivenwechsel, Selbstreflexionsfragen, systemische Interventionen, Psychoedukation.

Es geht gar nicht darum, dass etwas „Losgelassen“ wird, sondern mehr darum, etwas zu integrieren.

Loslassen kann sich beängstigend anfühlen. Denn aus heutiger Perspektive „hinderliche“ Verhaltensweisen waren irgendwann einmal dienlich oder gar überlebensnotwendig.

Und so ist alles was wir erleben und erlebt haben in irgendeiner Weise Teil unseres Körper-Geist-Systems. Es geht heute darum, wie wir damit umgehen und es integrieren können, sodass sich ein Mensch heute sicher fühlen darf und neue Handlungsmöglichkeiten entstehen.

Gibt es ein Erlebnis oder Feedback aus Ihrer Praxis, das besonders deutlich zeigt, wie kraftvoll psychosoziale und körperorientierte Begleitung sein kann?

Ohne konkret zu werden, begleite ich Menschen bei denen etwas so oder so ähnlich passierte: KlientIn wünscht sich, den Stress in der Arbeit loszuwerden.

Nach einigen Wochen gelang es allmählich, nicht nur im Verstand zu bleiben und schnelle Lösungen zu suchen, die den Stress „auflösen“, sondern auch den Körper und die Gefühlsebene miteinzubeziehen.

Etwa ein Jahr später hat KlientIn nicht nur einen neuen, weniger belastenden Job, sondern beginnt mit einer Ausbildung, die beruflich in eine Richtung führt, von der KlientIn schon lange träumte.

Über Hannah Stöger:

Mein Name ist Hannah Stöger. Als psychosoziale Beraterin, Supervisorin, Pädagogin, Soziologin und Erwachsenenbildnerin habe ich eine Mission: Ich gehe los für eine Welt, in der wir uns selbst begegnen, um unsere Kinder gut zu begleiten. Denn so wie wir uns selbst begegnen, begleiten und halten, begegnen, begleiten und halten wir auch Kinder.

Website

Mail: beratung@hannahstoeger.at

Mobil: +436764304132

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