Für Radha Maria Wallner ist der Körper mehr als nur ein funktionales System – er ist ein ehrlicher Gesprächspartner. Mit Shiatsu, Cranio Sacral Therapie und ihrem eigens entwickelten Bewegungslabor verbindet sie Tiefenentspannung mit bewusster Wahrnehmung und neuer Lebendigkeit.
In ihrer Praxis begleitet sie Menschen in herausfordernden Lebensphasen ebenso wie bei körperlichen Beschwerden. Im Mittelpunkt steht dabei stets der Dialog – zwischen Körper und Geist, Stabilität und Veränderung, Anspannung und innerer Balance.
Interview mit Radha Maria Wallner

Was schätzen Sie persönlich an körperorientierter Arbeit – und warum haben Sie sich für diesen Weg mit Shiatsu, Cranio Sacral Therapie und dem Bewegungslabor entschieden?
Mir gefällt an der Körperarbeit, dass es eine sehr direkte Art der Kommunikation ist.
Es gibt den Spruch, der Körper lügt nicht, dem kann ich sehr viel abgewinnen.
Die Informationen, die der Körper bereithält, sind oft klar und deutlich, alleine die Körperhaltung sagt schon sehr viel über unsere momentane Verfassung aus.
Meine ersten Erfahrungen mit Shiatsu hinterließen in mir das Gefühl von Verbundenheit, das vom Kopf bis zu den Zehenspitzen spürbar war. Seither beschäftige ich mich mit der Synthese von Entspannung und Lebendigkeit.
Die Cranio Sacral Therapie macht die Tür in Richtung Tiefenentspannung noch weiter auf während das von mir entwickelte Bewegungslabor die bewusste Körperwahrnehmung und Bewegungsfreude unterstützt.
Wie würden Sie Menschen erklären, was ihre Arbeit ausmacht, wenn sie noch keine Erfahrung mit dieser Form der Begleitung haben?
Die Menschen kommt mit einen Anliegen zu mir, das sich körperlich ausdrückt, oft durch Schmerzen. Wir sammeln dann ein, was sie sich von der Therapie erwarten und welche Methode sie anspricht oder ich schlage auf Grund des Anliegens eine Methode als Einstieg vor.
Es passiert immer ein Dialog, körperlich und verbal, die Übereinkunft ist mir sehr wichtig. Manche Schmerzen lösen sich sehr schnell, andere Anliegen, wie zum Beispiel Erschöpfung, erfordern oft etwas mehr Geduld.
Mit welchen Anliegen oder Lebenssituationen kommen die Menschen besonders häufig zu Ihnen?
Generell kommen die Anliegen aus zwei Bereichen: Probleme, die auf Grund eines Ungleichgewichts im Nervensystem entstanden sind und Beschwerden in Folge von Überbeanspruchung im sogenannten Bewegungsapparat oder nach Verletzungen und Unfällen.
Zur ersten Gruppe zählen Erschöpfung, Stress, Verdauungsprobleme, psychische Probleme, Schlafstörungen, unerfüllter Kinderwunsch, zur zweiten Gruppe Rücken- Nacken- und Gelenkschmerzen.
Kopfschmerzen können ursächlich aus beiden Richtungen kommen und natürlich gibt es in einem lebendigen System Wechselwirkungen und Überschneidungen. Es gibt auch besondere Lebenssituationen, wie eine Schwangerschaft oder das Klimakterium, die ich sehr gerne mit Shiatsu begleite.
Radha Maria Wallner: Individuelle Begleitung im Dialog mit dem Körper

Welche Angebote und Formate umfasst Ihre Arbeit – und wie unterstützen Shiatsu, Cranio Sacral Therapie und das Bewegungslabor unterschiedliche Bedürfnisse?
Hauptsächlich arbeite ich im eins zu eins Setting. In meinem Praxisraum gibt es eine Shiatsu Matte, eine Therapieliege und Platz für Bewegung. Wir beginnen oft mit einer sogenannten base line study – einer Wahrnehmungsübung im Sitzen, Gehen, Stehen oder Liegen, die ich verbal anleite.
Das gibt mir die Möglichkeit Körpersignale zu lesen, welcher Körperteil bewegt sich überhaupt nicht oder was „zappelt“ mit obwohl gar nicht darüber gesprochen wird. Welche Methode wir dann auswählen hängt von der Tagesverfassung der Klient*innen ab, ihrem Anliegen und vor allem davon, was gut funktioniert und sich gut anfühlt.
Es geht immer darum Ressourcen zu finden und zu unterstützen: Neben Symptomen wie Schmerz oder Erschöpfung gibt es immer gesunde Anteile in uns.
Woran erkennen Sie in Ihrer Arbeit, dass sich im Körper oder im inneren Erleben Ihrer Klient*innen etwas nachhaltig zu verändern beginnt?
Direkt nach der Behandlung ist meistens deutlich erkennbar, dass sich die Gesichtszüge der Klient*innen entspannt haben. Wenn Sie dann zum Folgetermin kommen und erzählen, dass zum Beispiel die Verdauung besser funktioniert, obwohl das nicht ihr primäres Anliegen war, ist das ein sehr gutes Zeichen.
Es zeigt mir, dass sich die Balance im Autonomen Nervensystem verbessert hat. Manche Menschen sehnen sich erst mal eher nach Stabilität als nach Veränderung. Die Körperarbeit hilft ihnen ihren Istzustand besser zu verstehen, damit Veränderung überhaupt passieren kann.
Gibt es eine Begleitung oder ein Erlebnis aus Ihrer Praxis, das Ihnen besonders gezeigt hat, wie tiefgehend Ihre Arbeit wirken kann?
Ich hatte eine Frau in Behandlung, die kurz vor der Pensionierung eine Leitungsposition verloren hat. Diese Erfahrung hat sie spürbar aus dem Gleichgewicht gebracht und war auf persönlicher und finanzieller Ebene schwer zu verkraften.
Sie hat mir dann später rückgemeldet, dass ich sie durch diese Zeit „getragen“ habe. Das hat mir sehr bildlich gezeigt, dass Körperarbeit Menschen in Krisen auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene bestens unterstützen kann.
Gibt es ein Thema, das Ihnen zur Zeit besonders wichtig ist?
Im Jahr 2026 widme ich mich verstärkt den Anliegen von Musiker*innen unter dem Motto: Musizieren mit Leichtigkeit, Präsenz und ohne Schmerzen.
Über Radha Maria Wallner:
Im Zentrum meiner Arbeit als Körpertherapeutin steht es Raum zu schaffen, um von den Anforderungen des Alltags abzuschalten, sozusagen einen Pausenknopf zu drücken. Wenn die Anspannung abfällt und Schmerzen nachlassen liegt dann der Fokus darauf, sich auf der Basis persönlicher Stärken neu auszurichten.
Mein Leitsatz dabei lautet: You always move better with a smile.
Es macht mir gute Laune und das Lächeln hat tatsächlich auch eine physiologische Wirkung. Es ist ein ehrliches Lächeln nach innen und außen, das absolut gar nichts mit dem zur Zeit so modernen Selbstoptimierungstrend zu tun hat.
Mein Gesicht entspannt sich und nimmt die Muskeln meines Körpers mit. Dann geht mir alles viel leichter von der Hand und vielleicht kann ich die Leser*innen diese Interviews damit anstecken.


