Interviews

Ingo Plangger: Wie die Praxis Lebensbrise Menschen in Bewegung und zurück in ihre eigene Stärke begleitet

Ingo Plangger verbindet in seiner Praxis Lebensbrise systemische Psychotherapie, Beratung und körperorientierte Methoden, um Menschen in herausfordernden Lebensphasen ganzheitlich zu unterstützen. Seine Arbeit basiert auf einem tiefen Verständnis für menschliche Entwicklungsprozesse und die Bedeutung von Beziehungen, Mustern und innerer Bewegung.

Im Interview spricht er über seinen Weg in die Psychotherapie, seinen Zugang zu Veränderungsprozessen und die Vision einer Praxis, die Menschen jeden Alters neue Perspektiven, Stabilität und Selbstwirksamkeit ermöglicht.

Interview mit Ingo Plangger

Ingo Plangger Interview

 

Wie kamen Sie persönlich zur Psychotherapie bzw. Beratung – und was hat Sie dazu motiviert, die Praxis Lebensbrise zu gründen oder Ihren heutigen Schwerpunkt zu wählen?

Meine Neugier am menschlichen Dasein begann in meiner Kindheit – der Mensch als Individuum mit seinen vielseitigen Handlungsweisen beeindruckt(e) mich nachhaltig.

Zu einem späteren Zeitpunkt in meinem Leben entstand das starke Interesse, mich mit dem Entstehen und Lösen von Leidzuständen des Menschen in sozialen Systemen wie Familie, Gruppen, Schule, Arbeit, Freizeit, etc. zu beschäftigen. Den Fokus verstärkt auf Wechselwirkungen und Zusammenhänge zu richten, ist ein eindrücklicher Ansatz in der systemischen Psychotherapie. Es erschien mir in meinem Tun als sehr stimmig diesen spezifischen Weg zu gehen.

Die Gründung der Praxis Lebensbrise entsprang aus meiner Leidenschaft heraus, Menschen in schwierigen Lebenssituationen durch ein ganzheitlicheres Hilfs- und Unterstützungsangebot zu unterstützen bzw. begleiten zu können.

Ihre Praxis vereint Psychotherapie, Beratung, Bio-Neurofeedback, Workshops und Fachvorträge. Wie bringen Sie diese verschiedenen Ansätze in Ihrer Arbeit zusammen?

Menschen sind ähnlich und doch unterschiedlich. Wir befinden uns je nach Reifegrad in bestimmten Entwicklungsphasen unseres Lebens wie Kindheit, Jugend, Erwachsensein und hohes Alter.

Das wiederum verlangt nach einem weiterreichenden Ansatz in der professionellen Begleitung von Menschen. Bedürfnisse, Emotionen, eigenes Heranwachsen, persönliche Erfahrungen und unterschiedliches Erleben, genetische Prädisposition, etc. spielen hierbei eine bedeutende Rolle.

Das Angebot der Gemeinschaftspraxis Lebensbrise bietet ein gewisses Spektrum an Behandlungswegen und Wissensvermittlung, um den Anspruch einer effizienten Begleitung von Menschen gerechter zu werden.

Wie gestalten Sie die Zusammenarbeit mit Klient:innen, um eine vertrauensvolle Basis für Veränderung und Entwicklung zu schaffen?

Zwei wesentliche systemische Haltungsmerkmale in der Beziehungsgestaltung zum Menschen sind, sich auf Augenhöhe zu begegnen und den Menschen grundsätzlich als Expert:in ihrer bzw. seiner Lebenswelt wahrzunehmen. Das Erzeugen von Vertrauen basiert unter anderem auf Sicherheit, Transparenz und klarem Handeln.

Die Beziehung ist nun mal der größte Wirkfaktor in der Psychotherapie.

Daher scheint es sinnvoll den Menschen grundsätzlich als selbstorganisierendes, lösungsschmiedendes und kompetentes Wesen ernst zu nehmen als auch seine bisherigen Problemlösungsversuche zu würdigen.

Ingo Plangger: Wie Menschen wieder in Balance kommen

Ingo Plangger praxis-lebensbrise.at

 

Veränderung ist ein zentrales Thema Ihrer Arbeit. Wie begleiten Sie Menschen konkret auf dem Weg von der Erkenntnis zur Umsetzung?

Ich möchte ein Bild heranziehen, welches meines Erachtens die Starrheit als auch die Beweglichkeit im Leben darstellt:

Ein Mensch steht auf einem Balancebrett und wippt immer wieder in bestimmte Bereiche seines Lebens, um dort ein für sich größtenteils stimmiges Erleben zu erzeugen.

Ein ungewolltes längeres Festhängen in einer Lebenssituation, sei es durch einschneidende Lebensumstände wie Krankheit, Arbeitsbelastung, Gewaltformen, Tod, Trennung, Diskriminierung, anhaltende Überforderung, usw. , kann die Psyche massiv beanspruchen und längerfristig zu Beschwerden führen.

Mein Ansatz ist es, den Menschen durch bewusstes Wahrnehmen und Benennen der eigenen Bedürfnisse und Grenzen, Erzeugen von neuen Blickwinkeln (Fokusverschiebung), Entwurf von stimmigen Lebenszielen, Handlungsstrategien im Umgang mit Herausforderungen, usw. wieder in Bewegung zu bringen.

Und somit möglichst eine Balance im Leben des Menschen zu erzeugen – der systemische Versuch Veränderung in eine gesunde Richtung anzukurbeln, ist grundsätzlich in jeder Lebensphase möglich und Hauptakt in der Psychotherapie.

Können Sie ein Beispiel aus Ihrer Praxis schildern, das besonders gut zeigt, wie Ihre Begleitung zu einer positiven Entwicklung geführt hat?

Immer wieder suchen Menschen mit einem depressiven Erlebenszustand in der Gemeinschaftspraxis Lebensbrise nach Hilfe. Ein Beispiel aus der Vergangenheit bezieht sich auf einen Mann mittleren Alters, welcher im wahrsten Sinne des Bildes „mit dem Karren im Schlamm festgefahren“ ist.

Diese Unbeweglichkeit führte schlussendlich zu einem schweren depressiven Zustand, dieser auf körperlicher und psychischer Ebene schädigend zum Ausdruck kam und den Mann in die absolute Hilflosigkeit katapultierte. Wenn man sich den

„Karren“ ansieht, möchte man meinen, dass sich dieser nicht mehr bewegen lässt und jegliche Lösungswege unnahbar erscheinen. Die Ohnmacht ist sehr stark spürbar, wirkt übermächtig und hält Einen im Würgegriff.

Gemeinsam mit dem Menschen wurde in kleinsten schaffbaren Schritten versucht den Karren wieder in Bewegung zu bringen. Psychotherapeutische Impulse regten an, den Blickwinkel des Mannes in Richtung Hoffnung zu verändern. Das zentrale Ziel ist es, den Menschen wieder in psychische Bewegung zu bringen, um wieder selbstwirksam das eigene Leben beschreiten zu können.

Welche Vision haben Sie für die Praxis Lebensbrise – wohin soll sich Ihr Angebot in den nächsten Jahren entwickeln?

Wenn man nun einen Ausblick wagen möchte:

Es ist mein Bestreben, weiterhin Menschen durch eine ganzheitliche Unterstützung auf den Ebenen der Psyche und des Körpers zu begleiten.

Ein wesentlicher Teil neben der Psychotherapie und Beratung ist die gezielte Wissensvermittlung. Spezifische Workshops und Fachvorträge sollen Familien, Frauen, Kinder und Jugendliche, Männer als auch Bildungseinrichtungen wie Schule und Organisationen erreichen, um für Themen (Erziehungsberatung, Gewaltprävention, Safer Surf, Teambuilding, Stärken von Mädchen und Frauen in ihrer Haltung, Männer- Selbsterfahrung und Angebote für Senior*innen) zu sensibilisieren.

Man kann sagen, dass die Gemeinschaftspraxis Lebensbrise als ein weiteres ergänzendes Puzzlestück in der leider unterversorgten psychotherapeutischen Landschaft in Tirol zu sehen ist.

Über Ingo Plangger:

In meiner langjährigen Arbeit mit Familien, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im stationären, ambulanten und schulischen Bereich wurde ersichtlich, dass ein ganzheitlicher und lösungsorientierter Blick auf das Leben eines Menschen als auch auf die Beziehungen zu Anderen für die Auflösung oder Verminderung des Leides sehr wirksam sein kann.

Im privaten Kontext bin ich bin stolzer Papa von 3 Kindern. Abseits meiner beruflichen Tätigkeit lege ich den Fokus stark auf meine Familie und auf achtsame Auszeiten. Menschen im beruflichen Kontext zu unterstützen fördert nicht nur Heilungsprozesse, sondern fordert auch mich auf persönlicher Ebene. Daher ist für mich das sogenannte Auftanken meiner Energien besonders wichtig.

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