Interviews

Elisabeth Jürschik: Wenn Körper, Herz und Verstand in Einklang kommen

Elisabeth Jürschik begleitet Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen dabei, innere Klarheit zu finden, zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu schöpfen. In ihrer Arbeit verbindet sie Coaching, systemische Beratung und körperorientierte Methoden wie Jin Shin Jyutsu zu einem ganzheitlichen Zugang.

Dabei stehen nicht einzelne Symptome im Mittelpunkt, sondern das Zusammenspiel von Körper, Emotionen und innerer Haltung. Im Interview spricht sie über ihren Weg, ihre Erfahrungen und darüber, wie nachhaltige Veränderung entstehen kann, wenn alle Ebenen einbezogen werden.

Interview mit Elisabeth Jürschik
Elisabeth Jürschik Interview

Gab es ein persönliches Erlebnis oder einen Wendepunkt, der Sie dazu motiviert hat, Coaching, Beratung und körperorientierte Methoden zu verbinden?

Interessante Frage: Nein, den EINEN Wendepunkt gab es nicht.

Doch ist mir auf meinem persönlichen Weg klar geworden, dass wir soziale Wesen mit mentalen, emotionalen und seelischen Anteilen in einem physischen Körper sind und dass ALLE diese Ebenen im Leben miteinbezogen und beachtet sein wollen – sonst entsteht keine KONGRUENZ in uns selbst. Sind jedoch alle Aspekte integriert, können wir unseren Weg gehen bzw. erarbeitete Erkenntnisse umsetzen.

Je nach Prozess heißt das dann: “Der Körper & das Herz müssen wissen, dass sie fühlen dürfen, der Mund spricht es aus, damit es der Kopf dann versteht.“ Oder „Der Kopf versteht, der Mund spricht es aus und Körper & Herz fühlen es.“

Neben den Gesprächs- und Beratungsformaten setzen Sie auch Jin Shin Jyutsu ein. Was schätzen Sie an dieser Methode besonders – und wie ergänzt sie Ihre anderen Arbeitsbereiche?

Jin Shin Jyutsu ist mir als junge Frau „zufällig“ begegnet – die Erfahrung dieser sanften und doch so kraftvollen Arbeitsweise auf energetischer Ebene, die eine derart tiefe Regeneration und Unterstützung der Selbstregulation im Körper und auch auf mental-emotionaler Ebene ermöglicht, lässt mich seit nunmehr 27 Jahren nicht mehr los!

Die Schwerpunkte wandeln sich immer wieder – momentan forsche und studiere ich viel zu JSJ und unterstützende Wege in den Wechseljahren.

Wenn wir die Möglichkeit nützen, uns für unsere Lebensprozesse Unterstützung zu holen, ist meine Erfahrung, dass

* persönliche Entwicklung einen zusätzlichen äußeren Rahmen bekommt und rein für das jeweilige Anliegen der Person, des Paares oder der Familie gewidmet ist.
Allein dieser Aspekt bewirkt, dass Coachees mal runterkommen, sich auf ihr Anliegen besinnen, sich Klarheit einstellen darf und sich Prozesse leichter vollziehen können.

* durch ein geschultes wohlwollendes Gegenüber ein „gehaltener Raum“ entsteht, der für Entwicklung und Harmonisierung potenzierend wirkt.  Auseinandersetzung mit beruflichen, familiären oder persönlichen Herausforderungen wird so enorm erleichtert.

* neue Aspekte und Lösungsmöglichkeiten (z.B. durch Fragen) ins Bewusstsein kommen können.

* die Umsetzung der Veränderungsarbeit, die die Personen leisten, durch die begleiteten Prozesse und Backchecks sichergestellt werden.

Mittlerweile kann ich meinen „systemischen Blick“ und Lösungsorientierung in das Vorgespräch von JSJ-Sitzungen einfließen lassen oder im Coaching mit JSJ Griffen Anker setzen oder den Menschen unterstützende Selbsthilfe mitgeben – hier stellt sich nun ein Fluss im Begleiten ein, der mir sehr gut gefällt.

Die Anliegen meiner Kund*Innen sind unterschiedlich:

  • Manche wollen lernen, wie sie sich selbst im Alltag unterstützen oder harmonisieren können – dann besuchen sie einen meiner Selbsthilfe-Kurse (JSJ Basic I, II, III), wo wir uns mit den Ursprüngen dieser „Kunst“ beschäftigen, die in der östlichen Erfahrungsmedizin wurzelt. Einfache Griffe und Sequenzen für die tägliche Anwendung und Erste-Hilfegriffe sind fixer Teil der Kurse. 
  • Manche nützen meine Online-Angebote: regelmäßige Strömgruppen oder auch die Tipps auf meinen online Kanälen (fb, insta, youtube) 
  • Andere Kund*Innen wiederum stehen vor einer beruflichen Veränderung, befinden sich in einer belastenden Lebenssituation oder haben eine Veränderungs- oder Trauerphase zu bewältigen: hier lassen sich sowohl Coaching, Beratung oder Jin Shin unterstützend anwenden. 
  • In Familien gibt es viele Fragen, die sich mit systemischer Beratung gut begleiten lassen. Oft braucht es einen neuen Blick auf Zuständigkeiten, dann wieder gibt es Themen auf der Paarebene (nicht zu verwechseln mit der Elternebene!!) oder Erziehungsfragen. Systemische Aufstellungen und Wertearbeit sind hier meine Favoriten. 
  • Manche kommen vor oder nach einer Operation zu mir, um ihren Körper im Heilungsprozess zu unterstützen und sich selbst zu stärken.

  • Manche haben schon eine längere Leidensgeschichte mit „manifestierten Themen im Körper“ und kommen, um sich zusätzliche Unterstützung zu holen – oftmals wird im Verlauf auch deutlich, dass hinter den körperlichen Symptomen emotionale Wunden verborgen sind.Über die energetische Arbeit und den Veränderungsprozess, den ich manchmal zusätzlich mit Coaching oder Aufstellungen begleite, können solche Wunden heilen und der Körper kann in eine größere Harmonie zurückfinden.
  • Sind Personen nicht mobil, mache ich auch Hausbesuche oder zeige den Angehörigen, welche Griffe sie unterstützend anwenden können. 
  • Manche Menschen kommen zu unserer Achtsamkeitsgruppe, die wöchentlich in Innsbruck stattfindet und oder zu unseren Retreats mit Jin Shin Jyutsu (und 5Rhythmen Tanz) an schönen Orten in der Natur oder am Berg. 

Elisabeth Jürschik: Von innerer Unruhe zu Klarheit und neuer Stabilität

Elisabeth Jürschik praxis-landeplatz.at

In Ihrer Praxis steht oft „Klarheit, Ruhe und neuer Antrieb“ im Mittelpunkt. Können Sie ein Beispiel geben, wie ein solcher Prozess bei Einzelpersonen oder Familien konkret aussehen kann?

Sagen wir zum Beispiel „Anna“ kommt zu mir in die Praxis. Sie ist 40 Jahre alt, arbeitet in einer Arztpraxis und trägt als erfahrenste von 3 Assistentinnen viel Verantwortung.

Vor 2 Jahren hatte sie eine Krebserkrankung zu bewältigen – der Heilungsprozess ist gut verlaufen, doch bemerkt sie ihre Erschöpfung durch die Mehrfachbelastung. Sie möchte sich mit Jin Shin Jyutsu unterstützen.

Im Erstgespräch klären wir ihr Anliegen und besprechen ihre „Körpergeschichte“ (Anamnese) – wir legen die Anzahl der Sitzungen fest und Anna kommt wöchentlich zum Strömen. In den Gesprächen zu Beginn der Sitzung klären wir aktuelle Anliegen wie z.B. in der Arbeit Themen zu delegieren oder bei Überlastung mit ihren Chefinnen zu kommunizieren.

Dann geht es auf die Liege – Anna liegt bekleidet am Rücken und bekommt eine weiche Decke übergelegt. Das „Pulse Lauschen“ und „Körper Lesen“ zu Beginn bieten mir zusätzliche Hinweise, welchen Energiestrom ich anwende.

Während des Strömens entwickelt sich meist eine wunderbare Stille, gehalten in meiner Achtsamkeit. In dieser Ruhe können sich tiefe Spannungen lösen und alle Systeme sich wieder ordnen und regenerieren.

Diese besondere Zeit der Ruhe und Entschleunigung sind ganz wichtige Harmonisierungsfaktoren im Jin Shin Jyutsu.

Anna hat mittlerweile ihre Arbeitsstunden reduziert und gönnt sich Erholung und mehr Zeit für sich – die Sitzungen empfindet sie als sehr entspannend und wohltuend.

Systemische Familienberatung ist sehr vielfältig – lassen Sie mich ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, welche Aspekte hier wichtig und hilfreich sein können:
Viele Familien sind erweiterte Systeme – nämlich Patchworkfamilien. Hier helfen besonders systemische Prinzipien, die in ALLEN sozialen Beziehungen wirken.

Oft geht es darum, Ebenen zu klären – Prinzip ORDNUNG: 
Hat ein Paar ein oder mehrere Kinder bekommen und trennt sich nun, ist es wichtig festzustellen, dass sich zwar das Paar trennt, die Elternebene jedoch bestehen bleibt – die Eltern sind immer in der Leitungsposition und tragen auch die Verantwortung für diese Prozesse.

Kinder brauchen in dieser Phase vor allem Sicherheit, dass ihre Eltern ihre Eltern bleiben– Prinzip Zugehörigkeit -, auch wenn sie sich als Paar trennen und Raum für ihre Trauer – Prinzip Achtsamkeit – anerkennen was IST. Hier können auch Trauergruppen für Kinder weiterhelfen (Rainbows Tirol).
Einige Paare schaffen es, sich in Ruhe zu trennen und bleiben Freunde und weiterhin verlässliche Eltern.

Trennungen gehen für viel Paare jedoch mit emotionalen Belastungen und Verletzungen einher. In diesen Phasen kann eine professionelle Begleitung einen unterstützenden Rahmen bieten und den Abschiedsprozess strukturieren, sodass eine konstruktive Weiterentwicklung der Elternebene ermöglicht wird.

Oft gibt es auch neue Partner*Innen im System – das „2. Paarsystem“ entwickelt sich später und es braucht eine Würdigung des 1. Partners/der 1. Partnerin – früher vor später, Prinzip Ordnung.

Werden diese Positionen anerkannt und gewürdigt – Prinzip Achtsamkeit, kommt es zu wesentlich weniger Reibung im erweiterten Familiensystem – sowohl unter den Erwachsenen wie auch den Kindern.

Solche Prozesse brauche Zeit & Aufmerksamkeit und verlangen allen Beteiligten einiges ab, können aber mit professioneller und systemischer Unterstützung zu mehr Reife und Wachstum in Patchworkfamilien führen.

Welche Themen oder Herausforderungen bringen Klientinnen und Klienten aktuell am häufigsten mit – sei es im persönlichen Bereich, in der Familie, als Eltern oder in der Partnerschaft?

JSJ/ Coaching s.o.

Beim Coaching/Beratung/Aufstellungsarbeit sind es Themen wie:
* Ich bin unzufrieden im Beruf – hier klären wir die Fragen und arbeiten entweder Richtung Supervision im bestehenden Feld oder auch Richtung berufliche Neuorientierung

* Meine Mutter braucht mehr Unterstützung im Alter. Wie kann ich das bewerkstelligen? Wer ist noch im Unterstützerfeld? Was braucht es rechtlich…

* Mir ist grade alles zu viel- es ist grad so viel los, ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht.

* Ich wünsche mir XY, aber irgendetwas hindert mich in der Umsetzung.

* Bei uns in der Partnerschaft rumpelt es total – was können wir tun, damit es uns wieder besser geht?

* Wir haben eine Patchworkfamilie und grade geht es drunter und drüber. Was können wir machen, damit wieder Frieden einkehrt.

* Ich werde bei XY immer so wütend/traurig/ängstlich – und eigentlich weiß ich gar nicht, wieso.

Wenn es darum geht, Veränderungen nachhaltig im Alltag zu verankern: Welche erste Übung, Frage oder Empfehlung geben Sie Ihren Klientinnen und Klienten besonders häufig mit auf den Weg?

Eine lösungsorientierte Alltagsfrage, die man sofort anwenden kann, ist: „Was wäre ein nächster eleganter Schritt bei XY?“ 

Außerdem hat die Gehirnforschung festgestellt, dass es 8 Wochen braucht, bis stabile neue Netzwerke (=neue Lösungen/Strategien/Routinen) etabliert sind.
Klient*Innen bekommen die Einladung, sich gleich im Kalender diesen Zeitraum zum Üben, Memorieren oder Integrieren einzutragen.

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